Unter der Lupe: Das Story Center 2010

Eine Rezension zu Inzucht und die denkbare Gesellschaft – Story Center 2010 von Michael Haitel (Hrsg.)

Kurzgeschichten sind in den großen Verlagen und dementsprechend in der Präsenz der Buchhändler nahezu unsichtbar. Wenn man diese Dinger nicht nur gerne selber schreibt, sondern auch gerne liest, kann das durchaus zu einem Problem führen. Orientiert man sich aber in Richtung Kleinverlage und nutzt die Suchmöglichkeiten, die das Internet so bietet, stößt man dann doch auf eine gute Menge Lesestoff.

Die erste Rezension hier auf dem Blog sollte dann doch am liebsten eine Kurzgeschichte(nsammlung) sein. Und das von Michael Haitel herausgegebene Story Center 2010 bietet sich da an. Zunächst mal habe ich eh schon eine gefühlte Ewigkeit an der Rezension zu Inzucht und die denkbare Gesellschaft geschrieben. Lange bevor ich an einen Blog gedacht habe. Dann klingt das Thema schön provokant. Nicht zuletzt hat mir die 2009er Ausgabe des Story Centers unterm Strich recht gut gefallen.

Das 2010er Story Center ist quantitativ doch deutlich bescheidener als sein Vorgänger. „Nur“ 19 Autoren legen ihre Geschichten zum Thema Inzucht vor, darunter in der kleinen deutschen Science-fiction-Szene durchaus nicht unbekannte Namen und nicht wenige, die bereits im Vorgänger Geschichten beigesteuert hatten.

Das Thema weckt widersprüchliche Gefühle. Inzucht ist weitgehend tabuisiert, wenngleich die Historie Beispiele dafür kennt. Nicht wenige Geschichten nutzen Themen wie Inzucht als Vehikel platter Plots, um einen kleinen Aufreger bieten zu können, wenn schon sonst nichts Interessantes zu finden ist. Um es vorweg zu nehmen: Die Autoren hier haben das weitgehend vermieden. Es gibt wiederkehrende Themen in einigen Storys, aber ein guter Teil der denkbaren Bandbreite an Möglichkeiten wird doch abgesteckt.

Die Geschichten im Einzelnen:

Eröffnet wird die Anthologie von Arndt Waßmann mit Die Kinder der Zukunft. Wir erleben den Schulalltag der Geschwister Hannah und Sven und lernen so auch das gesellschaftliche Leben in einer kleinen skandinavischen Stadt viele Jahre nach einem verheerenden Krieg kennen. Die offenbar letzten Überlebenden haben eine radikale neue Struktur aufgebaut, angepasst den neuen biologischen Bedingungen. Ein Virus ist verantwortlich dafür, dass nur noch Geschwister Nachwuchs zeugen können. Und Hannahs Fruchtbarkeitstest steht bevor.

Die Einstiegsgeschichte bietet gleich mehrere interessante und zum guten Teil auch nachvollziehbare Ideen. Das gesellschaftliche Umfeld und den Alltag über den Schulunterricht zu erzählen, ist eine hervorragende Möglichkeit. Die Regeln, nach denen die neue Gesellschaft funktioniert, wird so schrittweise und nachvollziehbar dargelegt. Immer wieder werden weitere Informationen eingestreut, das gesellschaftliche Bild weiter und weiter angereichert. Und dort kommen wir auch zum Problem. Es gibt keine eigentlich Handlung, die Geschichte bleibt eher eine Diskussion über einen potentiellen Gesellschaftsentwurf. Die Spannung wird also über die Ideen des sozialen Reglements gehalten und weniger über die Figuren. Dabei sind die beiden Protagonisten sogar gar nicht mal schlecht gezeichnet, so lange sie keine Dialoge führen. Die Dialoge sind nämlich ein weitere Knackpunkt: Nicht wenige von ihnen sind einfach schlecht, zu lang, wiederholend, absurd oder belehrend. Trotzdem bleibt eine nachdenkliche Geschichte, die insgesamt mehr Stärken als Schwächen aufzuweisen hat.

Es folgt Frederic Brakes sehr kurz geratene Story Stammesriten. Inhalt: Eine neue Art, Geschichte lebendig zu machen, Stammesstreitigkeiten in prähistorischen Zeiten über das Aufbrechen alter Traditionen und Blutschande.

Im Grunde genug Stoff für eine spannende Geschichte. Sie ist aber deutlich zu kurz, um die Idee voll entfalten zu können. Und als einfache kleine Pointengeschichte funktioniert sie nicht, da vorhersehbar. Was bleibt? Eine handwerklich saubere Kürzestgeschichte ohne großen Erinnerungswert.

Eine weitere sehr kurze Geschichte bietet Marianne Labisch mit Neubeginn? an. An einem nicht näher definierten großem Unglück tragen die Säufer Schuld. Die Nachfahren mit dem Säufergen leben in den Bergen, die ohne das Säufergen im Tal. Beide Gemeinschaften sind zahlenmäßig nicht groß, es wird strikt auf die Heiratspolitik geachtet. Doch eine Nichtsäufergenfrau (Ulca) und ein Säufergenmann (Manam) wollen die strikte Trennung durchbrechen und ihre Liebe leben.

Die gesellschaftlichen Strukturen der „Nichtsäufer“ werden nur indirekt über die Erzählungen der Frau beziehungsweise den Reaktionen des Vaters angedeutet, die „Säuferseite“ wird dem Leser weitgehend vorenthalten. Das ist soweit in Ordnung, nur bleibt die verkappte Romeo-und-Julia-Geschichte so ganz ohne tragisches Element oder echten Konflikt. Die Figuren sind naiv, die Dialoge ausschweifend und unecht, die wenige Handlung kitschig. Ihre Namen halte ich persönlich schon für schwierig, aber na gut. Namen für seine Figuren zu finden ist immer eine Kunst für sich. Die Story ist schnell vorbei und tut auch deshalb nicht weh.

Zwei gegensätzliche Gruppen präsentiert auch Jutta Schönberg in ihrer Geschichte Die Außenseiterin. Regida ist eine Maldau und gehört damit zu den Verbannten oder der Dienerklasse unter den Deledon. Doch Regida besitzt psychische Kräfte, die sonst nur bei den Deledon auftreten, unter ihnen seit Generationen gezüchtet. Bei den eigenen Leuten eine Ausgestoßene wird sie eines Tages von den Wachen der Deledon abgeholt und zwangsverheiratet: Mit einem Deledon. Die inzestuöse Gesellschaft der Deledon droht zu zerfallen, einige haben sich der Idee angenommen, dass frisches Blut den Zerfall stoppen und die geistigen Kräfte der Folgegenerationen kräftigen könnten. Doch nicht alle hängen dieser Idee nach, Regida bleibt eine Ausgestoßene, selbst ihrem Mann gegenüber und gerät so immer mehr zwischen alle Fronten.

Die Geschichte setzt auf eine einfache, aber sehr schön ausgeführte Idee. Über die Ich-Erzählerin Regida die Konflikte unter den Klassen und zwischen den Klassen erzählen zu lassen, gelingt weitgehend sehr gut. Die Geschichte ist lebendig und spannend und schafft es, jede Menge bunte Kleckse in eine scheinbar schwarz-weiße Welt zu malen. Einziges Manko ist, dass in einigen Abschnitten – auch und gerade am Anfang – zu viel erzählt wird, viel Blabla, das man lieber hätte erleben wollen als Leser.

Deutlich tiefer wird man da in die Geschichte Das Zeit-Bran von Matthias Falke gezogen. Straner ist unterwegs in einer heiklen Mission. Ein fremder Planet mit einem seltsamen Volk, vor vielen Jahren verschwand dort eine Handelsdelegation und die merkwürdigen Vorgänge reißen bis heute nicht so recht ab. Dazu gibt es eine schöne Frau und eine seltsame Anomalie, die Straner schon einmal beim ersten Anflug gespürt hat.

Mit Inzucht hat die Geschichte nichts zu tun, aber das sei mal Nebensache. Schlecht ist sie nicht, Falke schafft es, seinen Protagonisten glaubwürdig, spürbar zu machen. Aber die Geschichte ist auch sprunghaft, nicht immer so ganz einfach zu folgen und stellenweise irgendwie langatmig. Ich bin nicht wirklich mit ihr warm geworden.

Eine andere Art von Tiefe – vielleicht philosophische, vielleicht eine andere, ich bin nicht sicher – präsentiert Holger Mossakowski in SaveTheWorld Unlimited. Zockende Teenager, geflohen und wieder eingefangen, sind doch nur Gefangene eines Zuchtprogramms zur Intelligenzsteigerung. Erfolgreich, wie sich herausstellt.

Ich bin mir nicht sicher, worum es tatsächlich geht. Vielleicht hat die Geschichte auch kein wirkliches Ziel. Was mich an ihr stört, sind im Grunde zwei Dinge: Kleine Bilder, die nicht in ein großes passen, und der pure Verdacht, nicht wirklich eine substanzielle Geschichte gelesen zu haben. Letzten Endes hatte ich einige Mühe, mich an die Story zu erinnern.

Eindeutig geht es dafür in Outcasts von M. E. Rehor zu. Okast wird während seiner Dankesrede zum Medizinnobelpreis verhaftet. Ein Reporter macht sich auf den Weg zu den Labors und entdeckt eine ungeheure Wahrheit.

Eine ganz nette Pointengeschichte (nett im positiven Sinne bitte). Vielleicht nicht ganz astrein erzählt, vielleicht auch im Tempo ein wenig zu schnell, aber ich mag die Idee und die Ausführung.

Für Abel Inkuns Kinder des Mondes geht es ums nackte Überleben. Isoliert in einer Station auf dem Mond, seit Generationen dort ums Überleben kämpfend, doch die Personenzahl stetig schrumpfend, von der Erde ignoriert. Wie ist es dazu gekommen und wie wird es enden?

Obwohl wenig echte Handlung in der Geschichte steckt, hat sie doch absolut was für sich. Keine wirklich neue Idee, auch die verschiedenen Perspektiven beim Erzählen der Geschichte sind vielleicht zu viel, aber es ist irgendwie stimmungsvoll und nachfühlbar. Von daher gelungen.

Eine über Generationen isolierte Gruppe gibt es auch in „Die Geächteten von Canopus 3“ von C. J. Knittel. Ein Militärschiff stößt auf einem entfernten Planeten auf das Wrack eines abgestürzten Raumschiffes und auf die Nachfahren der Überlebenden. Während der Doktor sich für die Menschen auf den Planeten einsetzt, folgt der Kommandant der terranische Politik der Blutreinheit.

Die Geschichte strotzt vor Klischees und eindimensionalen Figuren. Dazu kommt eine vorhersehbare Handlung und ein altbekanntes Motiv (völlig wurscht, ob es hier um den Inzuchtaspekt erweitert wurde). Nicht mein Fall.

Im Gegensatz zu Aufbruch der Gestrandeten von Mark-Dennis Leitner. Der Ich-Erzähler ist der letzte Überlebende eines Absturzes. Mit ihm waren nur KEMs, künstliche Menschwesen, die sich rasend schnell entwickeln. Der Ich-Erzähler wird Vater neuer Generationen, doch die KEMs sind neugierig und haben aus den Erzählungen des Erzählers eine neue Aufgabe gefunden.

Eine wirklich, wirklich tolle Geschichte. Hervorragend erzählt, eine frische Idee (auch wenn sie in einer Vorgängergeschichte angefangen wurde), ernst und lustig und nachdenklich an den richtigen Stellen. Die beste Geschichte im Band, um das vorwegzunehmen.

Erneut ein Romeo-und-Julia-Motiv in Carmen Mayers Exzest. In ferner Zukunft ist die Reinheit der Familie oberstes Gebot, die Geschwisterheirat mehr als üblich. Doch Daniel verliebt sich in eine Mitstudentin als er in die große Stadt studieren geht. Die Familie reagiert alles andere als glücklich auf die Nachricht.

Die Geschichte hat einen Infodumpvor- und –nachlauf, was sogar gar nicht mal so störend ist. Vielmehr mangelt es einfach an Glaubwürdigkeit. Ich glaube der Geschichte einfach nicht. Insgesamt nicht und in einzelnen Passagen nicht. Einige Aussagen sind einfach falsch, die Reaktionen irgendwie zu übertrieben.

Sigrid Lenz bringt Meias Geheimnis dem Leser nur erzählend näher. Während Meia mit ihrem Bruder zum Altar schreitet, schwanger mit Zwillingen, die Hoffnungen der Gemeinschaft auf ihr, denkt sie über das Geheimnis ihres Bruders nach. Und ihr eigenes.

Keine Handlung, rein erzählt, ist die Geschichte trotzdem alles andere als schlecht. Nein, tatsächlich hat sie was für sich. Aber wirklich in Erinnerung bleibt sie auch nicht. Sie ist dann doch zu beliebig irgendwie. (Oha, wie nichtssagend …)

Das dunkle Geheimnis wird in der Geschichte von Carmen Matthes ergründet. Ein verlassenes Dorf entpuppt sich bei der Erkundung als doch nicht so verlassen. Und das ist erst der Beginn der Seltsamkeiten.

Ja, seltsam ist das Stichwort. Die Geschichte wird im Verlauf dann doch reichlich durcheinander, so dass man ihr nicht mehr folgen kann. Stilistisch manchmal unsauber ist der Erzählbogen eine auseinandergefledderte Hügellandschaft, die sich schwer als eine Geschichte sehen lässt. Vielleicht ist mir auch nur das ein oder andere entgangen, aber ich war hier raus.

Auf andere Art schwer zu folgen ist auch Die Suchtmaschine (What a Feeling) von Sven Klöpping. Während einer Kinoshow philosophiert der Erzähler über Film, Kommerz und Lebensphilosophie. Und das die Suchtmachine die letzte richtige Show war.

Die Story ist einfach verdammt abgefuckt. Und das mag ich an ihr. Komprimiert, ungefiltert, ein Wortschwall, jede Menge Eigenheiten. Zuerst scheint es so, als hätte sie nicht viel mit dem Thema zu tun, es gibt Inzest, aber nicht Inzucht. Aber auf einer subtileren Ebene hat die Geschichte es doch, denke ich. Echt Horrorshow.

Eher klassisch erzählt wird die Geschichte von Alinas Hochzeitstag von Elisabeth Meister. Von dem Cousin immer stärker bedrängt, beschließt Alina, die letzte Woche vor ihrer Hochzeit mit dem Bruder außerhalb des Bunkers zu verbringen – trotz der Mutanten, die dort hausen. Die lassen dann auch nicht lange auf sich warten.

Eine schön erzählte, bis zum Ende konsequente Geschichte. Sie gehört definitiv zu den besten im Band, obwohl sie im Grund keine wirklich neuen Ideen enthält. Dafür bekannte Muster neu mischt und zu einer funktionierenden und spannenden Story formt.

Eine recht frische Idee bietet Arno Endler in Nicht von dieser Zone. Olahn trifft zufällig am Rande seiner Zone auf Fina. Die gegenseitige Anziehung ist geradezu magisch. Doch sie ist nicht aus der gleichen Zone. Eine Annäherung hätte Konsequenzen. Ganz unmittelbare.

Allein der Einstiegssatz macht schon klar, was für eine fein erzählte Geschichte hier vorliegt. Die Grundidee ist im Grunde absurd, aber sie ist frisch. Die Figuren werden weitgehend gut ausgeleuchtet und das Dilemma, in dem sie sich befinden, gut gezeichnet. Eine unterhaltsame Geschichte.

Ein weiteres Romeo-und-Julia-Stück liefert Friedhelm Rudolph in Alles ist gut. Zwei Liebende gehen gegen die Gesetze der Gesellschaft und ihrer Familie an. Doch der Erfolg scheint aussichtslos.

Okay, die Zusammenfassung ist ziemlich nichtssagend und die Geschichte ist schon besser als das. Doch auch hier sehe ich ein Glaubwürdigkeitsproblem. So ganz kaufe ich dem Autor seine Story nicht ab, die Situation nicht und vor allem den Konflikt nicht.

In die Weiten des Weltraums geht es in Galax Acheronians Familienbande. Ein Frachter stößt auf Trümmer eines fremden Schiffes. Sie retten einige Überlebende der insektoiden Rasse. Als ein zweites Schiff dieser Rasse an den Unglücksort eintrifft, versuchen die Menschen, mehr von der Rasse zu erfahren und treten in Verhandlungen.

Eine Geschichte, die endlich einen anderen Ansatz verfolgt und hier Inzucht als evolutorisch bedingt beschreibt in Form einer insektoiden Rasse. Die Story ist gut erzählt und unterhaltsam, holpert vielleicht ein bisschen an der ein oder anderen Stelle. Aber sie muss anderweitig sogar einen noch stärkeren Eindruck hinterlassen haben, denn immerhin wurde Familienbande für den Deutschen Science-Fiction-Preis 2011 nominiert (Glückwunsch an den Autor an dieser Stelle).

Den Abschluss bildet Vincent Voss mit Danach. Die Welt ist nahezu entvölkert, die Infizierten machen Jagd auf die letzten Menschen. Nur wenn eine enge Erblinie eingehalten wird, bleibt der Virus außerhalb der Gemeinschaft. So lehrt es Johnson, doch seine Tochter Natasha ist widerspenstig. Und eines Tages entdecken sie Spuren von Fremden, nicht Infizierten.

Die Anthologie endet mit einer nicht herausragenden, aber allemal guten und runden Geschichte. Eher eine Art Zombiegeschichte, wie sie in letzter Zeit häufiger zu sehen und zu lesen gibt, aber dennoch unterhaltsam und durchaus spannend.

Die Geschichten insgesamt:

Wenig überraschend gefallen mir nicht alle Geschichten, aber insgesamt bleibt doch ein überdurchschnittliches Niveau. Abgebrochen habe ich keine Geschichte, in diesem Sinne ist kein Totalausfall in der Sammlung vertreten. Auf der anderen Seite ist – trotz DSFP-Nominierung von Familienbande – aus meiner Sicht keine Geschichte darunter, die wirklich richtig hervorsticht, wobei ich ein gutes Drittel der Storys mehr als gern ein weiteres Mal gelesen habe und viele Geschichten gut in Erinnerung geblieben sind.

Am Anfang hatte ich von einer relativen Bandbreite der Themen gesprochen, dennoch gibt es wiederkehrende Motive in vielen Geschichten. So behandeln die meisten Storys Inzucht als Folge extremer Umstände oder Umwälzungen, ebenso spielen sie in einer (zwar meist nicht näher definierten) fernen oder ferneren Zukunft. Technische Details gibt es in keiner Geschichte, aber das Thema zielt eher auf Social Fiction und Dystopie, was hier wichtiger (und mir meist eh lieber) ist. Mich als Schreiberling hätte eine gegenwartsnähere oder mittelferne Variante mit leichten Abwandlungen gesellschaftlicher Verhältnisse und Inzucht im Kontext der Summe kleiner Veränderungen als Idee gereizt. Aber das nur nebenbei.

Was ist mit dem provokanten Thema? Das wird (leider?) nicht immer weit ausgereizt. Da gäbe es wahrscheinlich noch andere Möglichkeiten. Zumindest hat sich hier keiner getraut oder die Idee gehabt, einen extrem provokanten Text (mit Betonung auf Zucht und Gesellschaft) zu schreiben. Muss auch nicht (und wäre meine Idee zu diesem Thema auch nicht geworden). Wäre nur interessant(?) zu sehen gewesen.

Die Anthologie ist bedingt empfehlenswert. Die Geschichten sind SF-Kurzgeschichten, die eine gesellschaftliche Veränderung zum Kern haben: nämlich Inzucht (auch wenn einige Autoren das Thema weit auslegen), oft bedingt durch extreme Umwälzungen. Freunde der (SF-)Kurzgeschichte werden hier sicher bei der ein oder anderen Geschichte fündig, ebenso vielleicht diejenigen, die sich auf ein gesellschaftliches Gedankenspiel wie Inzucht in einer zukünftig denkbaren Welt einlassen (mögen).

Fazit: Inzucht und die denkbare Gesellschaft ist eine Story-Sammlung der – unterm Strich – überdurchschnittlichen Sorte. Wie jede Anthologie, die verschiedene Autoren enthält, trifft man unweigerlich auf Geschichten, die einem nicht so zusagen. Das liegt in der Natur der Sache. Bei mir persönlich passt eine Drittelung recht gut: Ein Drittel hat mir ausgesprochen gut gefallen, ein Drittel war halbwegs bzw. durchschnittlich unterhaltsame oder interessante Kost und das letzte Drittel traf eher nicht mein Geschmack. Damit knappe 7/10 Punkten auf meiner völlig subjektiven Skala.

Daten:

Inzucht und die denkbare Gesellschaft – Story Center 2010

Michael Haitel (Hrsg.)

p.machinery

ca. 350 Seiten

ISBN: 978 3 942533 13 3

EUR 14,90

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